Der Polizeiclub von Asyut, unser unfreiwilliges Nachtlager am Nil, erklärt zumindest warum es so viele Polizisten gibt: Ein gepflegtes Restaurant, ein toller Sportplatz und eine traumhafte Lage. Der ägyptische Schutzmann weiß, wie es sich privilegiert leben lässt.
Für uns geht es weiter Richtung Luxor: Zu unserem eigenen Erstaunen erst einmal ohne Polizeieskorte. Nach rund fünf Kilometern ist Schluss mit der neu gewonnenen Freiheit, Polizeisperre. Gewohntes Bild: Viel Gerede, bis ein Pick Up mit vier Bewachern voraus fährt, mit 40 km/h. Nervig, man fährt durch eine wunderschöne Gegend und hat die ganze Zeit den Bremsklotz vor der Nase. Was soll’s, Ungeduld hat in Afrika nichts zu suchen, also zuckeln wir brav hinter her. Und Überraschung, an der nächsten Sperre geht es ohne Beschützer weiter. Verstehe einer die Ägypter. Anhand der Uniformen können wir mittlerweile eine grobe Einteilung der einzelnen Polizisten machen.
Braune Uniform, ohne Abzeichen: braucht Hilfe beim Anziehen
Braune Uniform, mit Abzeichen: darf eine Kalaschnikow auf Touristen richten
Blaue Uniform, mit einem Balken: kennt jemanden, der Englisch spricht
Blaue Uniform, mit einem Stern: spricht genau so viel Englisch, um für Verwirrung statt Aufklärung zu sorgen.
Wir nutzen den unbeobachteten Moment für eine Kaffeepause am Nil. Unbeobachtet? Kaum geparkt ist das halbe Dorf bei uns zu Gast. Händeschütteln, Kauderwelsch, Fotos machen, Babys, Esel und Hunde streicheln – es dauert, bis es weiter geht. Offensichtlich zu lange, an der nächsten Kontrolle große Aufregung, wo waren wir nur so lange? Klar, dass das so mit uns nicht weiter geht, also wieder vier Mann zur Bewachung hinter her. Rund 50 Kilometer vor Luxor sind wir auch die letzten nervigen Gesellen los, den Rest der Strecke scheint man uns alleine zu zutrauen.
In Luxor (6.653 Kilometer seit Hamburg) landen wir in einem kleinen Hotel direkt am zentralen Tempel. In der alten Stadt am Nil stolpert man über viele antike Sehenswürdigkeiten und viele Touristen. Klar, dass alle die gleichen Pfade entlang trampeln. Ausgeschlafen geht es ins Tal der Könige, früher Nachmittag und überraschend wenig los. Schnell wird klar warum: Zu heiß für Massentourismus, 42° C und wir haben die Gräber für uns alleine. Genau genommen den Besuch von drei, denn der Eintritt von rund elf Euro erlaubt nur diesen kleinen Ausflug in die Unterwelt. Wer mehr sehen möchte, muss auch mehr Eintrittskarten kaufen. Für ein kleines Trinkgeld gibt’s den Tipp die Gräber von Thutmes III, Tausert und Setnakht und Ramses III zu besuchen. Die 50 Cent haben sich gelohnt, wunderschön bemalte Reliefs, nur bei Thutmes könnte man fast auf die Idee kommen, die Malereien seien neu mit dem Edding gezogen.
Die Fähre in den Sudan wartet nicht, weiter geht’s. In Assuan finden wir ein kleines Hotel in den Straßen des Basars. Ein Name steht nicht am Eingang, für vier Euro die Nacht verzeihen wir diese Kleinigkeit, den Zustand der Gemeinschaftstoiletten nicht. Egal, wir bleiben nur drei Tage. Assuan ist für lange Zeit die letzte Möglichkeit ein Bier zu trinken. Der Sudan liegt trocken und glaubt man den anderen Reisenden gibt es nicht einmal einen Schwarzmarkt für Alkohol. Neben Bier für uns gibt es Stahlketten und Schlösser für den Bus. Nach dem unser Bulli in Jordanien aufgebrochen wurde, sichern wir die Türen jetzt mit schwerem Gerät. Eine lange Kette innen zwischen den Vordertüren, eine kurze außen zwischen Schiebe- und Beifahrertür.







