Istanbul-Aleppo

Zwei Tage Istanbul müssen reichen, schließlich gilt es Afrika zu entdecken. Am 20. Februar heißt es Sachen packen, den Parkplatz bezahlen und rein in unser treues Gefährt. Irgendwie haben wir ihn vermisst, den Bulli, unser fünf Quadratmeter Zuhause. Das nächste Ziel heißt Aleppo, Syrien. Aber erst einmal müssen wir die Grenze erreichen, die Türkei ist riesig. Die Landschaft wechselt ständig, von karg bis bewachsen, von flach bis bergig, zwischendurch kann man fast glauben, wieder in den Alpen gelandet zu sein. Und erst die Straßen, unseren Offroader hätten wir in Hamburg lassen können, die türkischen Autobahnen sind für tiefer gelegte Schanzen-BMWs gemacht.

Nach einer Nacht auf einem Rasthof erreichen wir die syrische Grenze bei Antakya. Das Tor ist verschlossen – erster Gedanke: wir sind zu spät – doch nicht, es öffnet sich für uns. Auf der türkischen Seite sind die Formalitäten schnell erledigt, gut gelaunt rollen wir weiter ins Niemandsland. Dunkel und verlassen liegen zwei Kilometer Straße vor uns, eine mulmige Vorahnung steigt hoch, hier drohen Schwierigkeiten. Zöllner, Grenzgebäude, Zäune – es sieht aus, wie auf einem Filmset für einen Agenten-Thriller. Und tatsächlich, nichts mehr mit Freundlichkeit und keiner der Zöllner spricht Englisch. Beim Blick auf unser Visum verhalten sich alle als ob sie so etwas zum ersten Mal sehen, ständig werden wir zwischen den Schaltern hin und her geschickt. Ein Beamter, der unsere Kohle kassieren will, findet einen Stempel nicht und obwohl wir ihn drauf hinweisen, fängt er an, uns zu beschimpfen. Wenn hier alle so sind – dann schöne gute Nacht, aber wir bleiben gelassen und ruhig. Als sich ein Syrer aus dem Hintergrund einmischt, klappt es plötzlich besser. In gutem Englisch hilft er weiter, öffnet Türen, sorgt für die restlichen Papiere. 100 Dollar Diesel-Steuer, 60 Dollar Versicherung, sieben Dollar Bearbeitungs- und Stempel-Gebühren, alles bezahlt und trotzdem noch jede Menge skeptische Blicke auf unsere Pässe und in den Bus, bis sich endlich der Schlagbaum nach Syrien öffnet.

Vorweg, die Unfreundlichkeit reduziert sich auf die Grenzer. In Aleppo angekommen fragen wir nach dem Weg, statt uns die Route zu beschreiben, springen zwei Jungs in den Bus, Englisch sprechen sie zwar nicht, bringen uns aber mit Händen und Füßen ans Ziel. Auch die Wahl unseres Schlafplatzes, im schlimmsten Unwetter, endet überraschend: kaum geparkt erscheint ein Wächter, zum Glück dürfen wir bleiben. Gegen Mitternacht, wir liegen gerade im Bett, klopft es, ein älterer Mann mit Palästinenser Kopftuch gibt uns zu verstehen, mitkommen zu müssen. Es stellt sich heraus, es ist der Vater des Wächters. Bei einer Tasse Tee wird uns erklärt, dass wir unmöglich im Bus schlafen können, wir sollen in der guten Stube übernachten. Erst nach viel hin und her, ohne das einer der Gastgeber Englisch spricht, erlaubt man uns den Bus als Nachtquartier zu nutzen. Gastfreundschaft in Reinkultur.

 

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