Fähre von Assuan nach Wadi Halfa

Immer montags startet die Personenfähre vom ägyptischen Assuan nach Wadi Halfa im Sudan. Auf ins Fährbüro, 70 Euro kostet die Karte pro Person. Das Ticket fürs Auto, 267 Euro, können wir erst im Hafen lösen. Vorausgesetzt wir bekommen die nötigen Papiere. Als erstes gilt es eine Bestätigung vom Traffic Court zu besorgen. Das Problem: Selbst die Stasi hat ihre konspirativen Wohnungen nicht besser getarnt, als die Ägypter diesen Behördenbau. Irgendwie blöd, schließlich muss jeder Tourist den Beleg zur Unfallfreiheit bei der Ausreise mit dem Auto vorweisen. Mit Hilfe eines Taxifahrers finden wir den richtigen Weg, landen mit der Bestätigung in der nächsten Behörde, der Traffic Police, den Wagen abmelden. Gewohntes Bild, viele Schalter, statt in Schlangen stehen die Leute in Trauben an. Unser Glück: Hilflose Touristen bekommen eine Extra- behandlung, wir dürfen hinter die Schalter, um unsere Angelegenheiten abzuwickeln. Unsere Papiere verschwinden in den Aktenbergen, einer Altpapiersammlung gleich.

Maria hat sich dieses Theater erspart, kommt erst abends mit dem Nachzug aus Kairo. Ihre Augenverletzung ist gut verheilt, so können wir die Weiterreise in den Sudan zu dritt antreten.

Montag, acht Uhr, wir stehen am Hafen und warten auf Mr. Salah aus dem Fährbüro. Ohne Hilfe wird es auch hier schwer den Papierkram zu regeln. Zoll, Stempel, Fahrzeugpapiere, alles muss in gewohnter Manier abgearbeitet werden. Kurz nach Mittag sind wir mit allem fertig, bereit für die Verladung der Autos. Neben unserem betagten Bulli warten der Toyota von Claus, der Land Rover von Natalie und Donald und die Motorräder von Daniel und Detlef. Leidensgenossen. Unsere Taktik: Maria und Natalie entern die Fähre, sichern uns auf dem Oberdeck mit Decken und Planen einen Platz an der frischen Luft. Nur so lassen sich die nächsten 20 Stunden auf dem Nasserstausee einigermaßen überstehen.

Gegen drei Uhr ist es endlich soweit, die Autos werden verladen, nicht auf die Personenfähre, sie kommen auf eine kleine Schute mit Motor. Über abenteuerliche Rampen rumpelt der Bus seitlich auf die, nicht viel breiter als eine Wagenlänge kleine Fähre. So zumindest der Plan: Tatsächlich schießt die eine Rampe beim Befahren unter dem Reifen davon, unser Bulli neigt sich bedenklich und hängt halb auf der Fähre und halb auf Land, streckt ein Rad weit in die Luft, fast wie ein Elefant bei der Fußpflege. Große Aufregung. Mit Sandblechen von Donald und Teppichrollen aus der Schiffsladung schaffen wir es eine Behelfsrampe zu bauen. Um eine kleine Delle am Schweller reicher, steht der Bus am Ende sicher an Bord.

Die Personenfähre erinnert eher an ein Flüchtlingsboot, überall Gepäck, viel zu viele Menschen, grausame Toiletten. Zumindest ist im Fahrpreis eine Mahlzeit enthalten, Hähnchenkeule mit Bohnen und Reis. Lecker. Die Nacht an Deck ist skurril, wie die Ölsardinen schlafen wir unter einem wunderschönen Sternenhimmel. Obwohl schlafen, ist zu viel gesagt, dämmern trifft es wohl eher – das Deck ist so hart, dass man das Gefühl hat, die Hüfte verschmilzt mit dem Metall, ständig stolpert jemand über uns und es stinkt unglaublich nach Fuss. Um zwölf Uhr mittags erreicht die Fähre den Hafen von Wadi Halfa. Diese Landzunge mit Steg als Hafen zu bezeichnen zeugt von Selbstbewußtsein. Unsere Autos sollen erst am nächsten Tag kommen, die Schute darf ohne Radar nicht in der Nacht fahren. Am Ende warten wir fünf Tage auf den Bulli, Sturm, Feiertage und Zoll verhindern unsere schnelle Weiterfahrt.

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