Übers Wasser ist die einzige Möglichkeit mit dem Auto aus Ägypten in den Sudan zu kommen. Verwunderlich, schließlich teilen sich die beiden eine etliche 100 Kilometer lange Grenze. Offiziell liegt dieses komplizierte Verfahren an Grenzstreitigkeiten, böswillige Zeitgenossen könnten auch vermuten, dass das Fährunternehmen gute Kontakte zu den Behörden pflegt – die Kuh, die einen ernährt, schlachtet man nicht.
Zumindest wissen wir jetzt, dass wir gesund sind – zu den Einreiseformalitäten an Bord gehört Fiebermessen, alle Passagiere haben ihren Kopf durch ein Bullauge zu stecken, blitzschnell wird einem ein Thermometer ins Ohr gesteckt, das Ergebnis auf einem Zettel notiert. Komisch, unsere Temperaturen liegen zwar zwischen 32 und 34 Grad, aber das scheint keinen zu beunruhigen. Der Sudanese ist offensichtlich nicht so heißblütig.
Richtig blöd an der unfreiwilligen Bootstour, unser Auto muss auf ein extra Schiff, ein kleiner Frachter – nicht viel breiter als unser Bus lang ist. Die Nussschale ist windempfindlich, es kommt wie es kommen muss, ein Sandsturm verzögert die Ankunft der Autofähre. Am Mittwoch geplant, landet der Wagen erst am Freitag in Wadi Halfa, dem muslimischen Feiertag. Mit Warten geht es weiter, schließlich arbeitet der Zoll auch am Samstag nicht, wir dürfen lediglich den Bulli von Bord fahren.
Sechs Tage in einem Ort aus flachen Lehmhütten, einem zwei Euro Hotel, viel Sand und Staub – ohne fließend Wasser, ohne Bier. Ein schlechter Start in den Sudan. Der einzige Lichtblick, wir haben ein nettes Restaurant gefunden. Das Familienunternehmen besteht aus Mutter, Vater und drei Töchtern. Ihre Speisekarte ist zwar überschaubar, bietet ab den dritten Tag nur noch Wiederholungen, dafür ist es billig, rund zwei Euro kostet ein Fleischgericht. Auch für Unterhaltung ist gesorgt, es schreit die ganze Zeit aus einem Fernseher in der Ecke, mit etwas Glück sogar in Englisch – Rocky III, Braveheart, alle Star Wars Episoden und andere alte Blockbuster sorgen für Ablenkung. Kays Geburtstagsfeier nicht, seine erste Trockene nach 26 Jahren, es ist einfach kein Schnaps aufzutreiben.
Egal, Sonntag geht es endlich weiter – der Sudan will entdeckt werden. Wir sind nicht mehr alleine unterwegs: Claus fährt mit seinem Toyota Land Cruiser voraus, das erste Mal so richtig Offroad. Sandpisten, Dünen – die Strecke am Nil entlang hat es in sich. Unser Bulli kommt mit seinen 70 PS an seine Grenzen, nur mit einem Trick kommen wir durch den tiefen Sand: Mit kaum noch Luft in den Reifen sinkt der T3 nicht so tief ein, wühlt sich frei. Es geht weiter durch malerische Dörfer, so eng, dass unser Auto fast an den Lehmmauern kratzt. Auch hier überall zu viel Sand für unseren Bus, gut dass die Dorfbewohner schieben helfen. Auf den Märkten gibt es Gemüse, Brot und Reis. Campingplätze gibt es nicht, kurz vor Sonnenuntergang stellen wir uns einfach an den Nil. Die erbeuteten Zutaten bruzzeln wir jeden Abend zu einem leckeren Essen auf dem Gaskocher im Auto. Das Beste: Die Pyramiden und Tempel auf unserem Weg haben wir für uns alleine – glücklicherweise hat Ägypten keine Exklusivrechte auf solche Sehenswürdigkeiten.








